Der Altra Escalante – Laufschuh Testbericht

Der Testbericht des Altra sollte bereits kurz nach dem Two Oceans Marathon im März erscheinen. Den Text habe ich im Life Grand Café an der V&A Waterfront in Cape Town geschrieben, während Sven einfach die Ruhe und die Sonne genossen hat.
Im neuen Leben hatte ich den Bericht aus den Augen verloren. Doch so oft lese ich Fragen nach Schuhempfehlungen auf welche die Altras eine gute Anwort wären. Bei mir ist die Marke aus dem Nichts auf Platz 1 marschiert.

Warum Altra?

Nach und nach haben sich meine Ansprüche an Laufschuhe verändert. Inzwischen habe ich gern Platz für die Zehen und fühle mich in Schuhen mit niedriger Sprengung am wohlsten. Mit wenig oder noch besser ganz ohne Absatz fühlt sich das Laufen für mich viel dynamischer an. Altra bietet mir genau das: eine breite Zehenbox wo die Zehen in ihrer natürlichen Position bleiben dürfen und Platz zum wackeln haben. Und keinerlei Sprengung, also zwischen Vorfuß und Ferse gibt es keinen Höhenunterschied. Bei fast allen Laufschuhen sind die Fersen höher gelagert, quasi ein Absatz. In meinen Augen verändert das den gesamten Laufstil sowie die Körperhaltung.

Der Escalante

Das Obermaterial des Schuhes ist das inzwischen verbreitete Knit Material. Ein nahtlos, gestricktes Material, was sich beim Tragen anfühlt wie eine feste Socke. Ein gleichmäßiges Tragegefühl ohne Stellen mit erhöhtem Druck. Die Footshape Toe Box erlaubt den Zehen sich auszubreiten. Die große Zehe darf (soweit sie nicht schon verbogen ist) gerade bleiben und ihrer ursprünglichen Aufgabe nachgehen: dem Stabilisieren und dem Abdruck.

Die Damenversion des Escalante wiegt in der Schuhgröße 42 239 Gramm. Die Dämpfung ist moderat also im mittleren Bereich angesiedelt.

Das Zusammentreffen

Länger hatte ich die Marke Altra im Blick, doch meine halbherzigen Suchen haben mich keinen passenden Altra Dealer finden lassen. Inzwischen habe ich einige Quellen aufgetan, die Links setze ich euch mal ans Ende des Beitrages.

Im Februar besuchten wir die ISPO und der Stand von Altra zog mich an wie ein Magnet. Endlich alle Modelle zum Anfassen und genau unter die Lupe nehmen. Wie ihr euch denken könnt, dauerte es nicht lange und ich hatte einen passenden Schuh in der Hand. Wenige Minuten später am Fuß und noch ein paar Minuten später in der Tasche.

Der erste Gedanke war: Boar! So viel Platz und Freiheit im Vorfußbereich. Dazu das Sockengefühl des Obermaterials. Also super bequem!
Hattet ihr schon mal Barfußschuhe an und konntet in den Schuhen so richtig mit den Zehen wackeln? Nein? Solltet ihr unbedingt nachholen!

Mit neuer Testbeute ging schließlich zurück Richtung Leipzig. Schon während der Fahrt reifte in mir der Gedanke die Schuhe auf langen Läufen zu testen. Denn bisher hatte sich noch keiner meiner 10 Paar Schuhe für den Two Oceans Ultra Marathon qualifiziert. Bei den meisten gab es auf Langstrecke Zehenprobleme. Die Füße sind nach 40 Kilometern einfach platt gelatscht und brauchen mehr Platz als an der Startlinie. Was gern mit einem Taubheitsgefühl oder seitlichen Blasen endet.

Die ersten Läufe

Bis zum Ultra waren es nur noch 8 Wochen, daher musste das Testen und Einlaufen für lange Strecken recht zügig von Statten gehen. Der erste Lauf von 7km fand auf dem Laufband statt. Danach ging die Luzi unter freiem Himmel ab. Zuerst 20, dann 35, gefolgt von 40 Kilometern. Gerne würde ich jetzt ganz viel zu den Läufen mit dem Escalante schreiben, doch: der Schuh war total unauffällig. Im absolut positiven Sinne! Der Altra war beim Laufen dermaßen bequem, dass ich im Training keinen Gedanken an ihn verlor. Irgendwie genau das was man sich von einem guten Laufschuh wünscht.

Auch meine Knie waren entzückt, nach langen Läufen habe ich da gern mal Beschwerden. Nix! Nada! Niente!

So stand zweifelsfrei nach nur 4 Wochen fest: der Altra Escalante reist mit uns nach Südafrika und wir rocken die 56km Strecke.

Altra und der Ultralauf

Ready für den Two Oceans

Weitere vier Wochen später standen Sven und ich an der Startlinie zu unserem ersten Ultralauf. 56km wollten erobert werden.

Folgende Meldungen erhielt ich von meinem Körper in den knapp 7 Stunden Laufzeit:

  • Kilometer 1-10 – Füße tipptopp, rechter Oberschenkel hebt langsam die Hand
  • Kilometer 20-30 – Füße tipptopp, beiden Oberschenkel haben den Finger erhoben
  • Kilometer 30-40 – Füße tipptopp, die Oberschenkel beschimpfen mich
  • Kilometer 40-50 – die Straße hat eine Neigung ähnlich eines Velodroms, nach einigen Kilometern ist die Socke links irgendwie zusammengerutscht und drückt auf die Zehe. Anhalten ist nicht, dann laufe ich nie wieder los! Die Oberschenkel sind stinksauer und leben ihren Frust volles Brot aus. Autsch!
  • Kilometer 50-56 – bis auf die Zehe die mit der Socke ringt total zufriedenen Füße. Der Rest? Fragt lieber nicht…

Die Schuhe waren die perfekte Wahl. Bessere Supporter bei dem harten Lauf hätte ich mir nicht wünschen können (außer Schuhe mit Rollen….).

Die Dämpfung war für mich genau richtig. Gefühl für die Straße und dennoch komfortabel. Die Knie waren zufrieden und die Zehen dankbar für die Freiheit auch im platt gelaufenen Zustand.

Füße würden Altra laufen

Den größten Anteil in meinem elf Paar starken Schuhteam hat bisher Brooks eingenommen. Der Schuhgeschmack meiner Füße hat sich inzwischen stark geändert. Altra hat sich hier ganz klar durchgesetzt. Zum Glück ist das Sortiment so groß, dass sich keine Langeweile für die Füße einstellt. Vom Wettkampf- bis zum Trail-Schuh ist alles vorhanden.

Umstieg auf Null Drop

Da ich schon längere Zeit niedrige Sprengung und Five Fingers laufe war der Umstieg auf null Sprengung für mich nicht merklich.
Doch bitte unterschätzt nicht die Umgewöhnung von Absatz auf ganz flach und lasst es langsam angehen. Ohne den Keil unter den Füßen ändert sich einiges an der Haltung des Körpers. Andere Muskeln fangen an zu arbeiten und es könnte zu Beginn zu Muskelkater oder schnellerer Ermüdung kommen. Wie immer ist es eine Trainingsfrage, doch es lohnt sich!

277km später

Inzwischen sind wir richtig dicke Kumpels und der Escalante ist fix für sämtliche Wettkämpfe gebucht. So hat er mich im Sommer 2018 bei jedem Triathlon treu begleitet, war beim Rennsteiglauf dabei und ist mit mir den fiesen finalen Anstieg beim Himmelswegelauf rauf gekraxelt.
In der Saison 2019 werden mir die Schuhe bei der Challenge Roth treu zur Seite stehen, bevor Ende 2019 wahrscheinlich die Pensionierung droht.

Mein Fazit ist ganz klar: wer mehr Komfort sucht und das Einengen der meisten anderen Laufschuhe satt hat, sollte sich die Marke Altra mal genauer anschauen.

Bezugsquellen

RENNTIER.DE , Big Tree Online Store, Wat Läuft Bochum, Schuhhaus Grüning, Wolfhagen, Sport Brang Jünkerath, Sport Matz, Saarland, Racelite.de, Runningwarehouse.de, Running Green Hamburg, Outdoorplace.de, Racerunner Charlottenburg , Laufmal Kassel, Schuh und Sport Schneck Großenlüder,


www.jsagentur.de hat mir den Altra Escalante für diesen Test zur Verfügung gestellt, dies hat keinerlei Einfluss auf den Beitrag. Dieser ist frei verfasst und spiegelt meine eigene Meinung wieder.


 

4 Comments

  • Praktisch, wenn eine Brooksläuferin schreibt 🙂 Wie verhält der sich von der restlichen Passform gegenüber einem Brooks? Ist die gleiche Größe erforderlich wie bei Brooks oder muss man variieren?

    Und weiterhin viel Erfolg bei Deinen Vorhaben

    LG,
    Marc

    • Hallo Marc,

      lieben Dank für Deinen Nachricht.
      In der Passform sind die Schuhe nicht zu vergleichen. Ich laufe unter anderem den Launch 2, dieser war vorn noch recht weit geschnitten, doch eng im Vergleich zum Altra.
      Beim Escalante wird der Mittelfuß „normal“ gehalten, doch die Zehen kann man spreizen. Da liegt nix an.
      In der Größe laufe ich die Brooks wie den Altra gleich.

      Hoffe konnte helfen. Sonst einfach fragen. 🙂

      LG Heike

  • Hallo Heike,
    interessanter Bericht zu den Altra Escalante.
    Wie ist den die Haltbarkeit einzuschätzen und lässt sich das irgenwie in km ausdrücken?
    Gibt es eigentlich noch Alternativen zu diesem Schuh, also Nullsprengung, moderate Dämpfung und riesige Zehenbox?
    Liebe Güße
    Marco

    • Hallo Marco,

      entschuldige, dass ich solange für die Antwort gebraucht habe. Roth hat mich doch gut beschäftigt. 🙂
      Also der Escalante ist in meinen Augen in der Haltbarkeit wie die meisten Laufschuhe einzustufen. Bei mir sind das um die 800-1000km. Da ist jedoch wirklich vom Laufstil und Gewicht abhängig. Bei meinem Freund waren Schuhe auch gern mal nach 600km durch. Auf keinen Fall verschleißt der Schuh schneller. Es gibt jedoch von Altra auch Hardcore Racer die nach wenigen Renne durch sind.
      Alternativen sind praktisch null. Nullsprengung und breite Zehenbox hast Du noch bei Topo, jedoch nur das wirklich härtere Lightweightmodel.
      Große Zehenbox bei sämtlichen Barfußschuhen, aber da ist dann nix mit Dämpfung.
      Bin von der Messe in Roth auch mit ein paar frischen Altra nach Hause gekommen. Auf jeder größeren Messe für Laufveranstaltungen solltest Du einen Stand finden.

      Viele Grüße
      Heike

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