Two Oceans Ultra Marathon 2018 Südafrika

Strahlende Finisher mit der Medaille des Two Oceans Ultra Marathon 2018
Die langersehnte Medaille des Two Oceans Marathon!

Warum der Two Oceans Marathon?

Während unserer ersten Südafrikareise im Januar wurde der Plan für den 56 km Lauf geschmiedet. Die ganze Geschichte habe ich damals auch verbloggt #mywayto56

Unsere unmittelbare Vorbereitung

Schon nach dem Berlin Marathon gingen die Trainingsgedanken Richtung Two Oceans Marathon, obwohl meine Motivation nach der Berlin Pleite nicht sonderlich hoch war.
Die Laufumfänge wurden mehr und die langen Läufen ausgedehnter. Soweit war ich dann auch zufrieden zumindest bis Ende März.

Ende März zeigte das Thermometer so aberwitzigen Temperaturen wie -13 Grad. Da hört bei mir so richtig der Spaß auf und ich setze kaum noch einen Fuß vor die Tür. Ich friere dann quasi schon, wenn ich aus dem Fenster schaue. Also hatte ich diese Woche nur ein paar Rollenkilometer im Warmen gesammelt.

Die Woche darauf stand dann planmäßig unser Triathlon Trainingslager auf Fuerteventura an. Das lief wie gedacht, zwar wenig gelaufen doch  dafür viel Grundlage auf dem Bike.
Bei Sven geriet hier die Vorbereitung schon ins wanken, er hatte mit einer Plantarfasziitis zu kämpfen. Braucht kein Mensch!

Im Trainingslager hatte ich mir dann eine Erkältung eingesammelt. Welche sich hartnäckig bis pünktlich kurz vor dem Start des Ultras hielt. Damit standen stolze 17,7km Vorbereitungskilometer im März Kalender. Sven’s Zähler zeigte noch weniger an.

Optimal! Oder? Das machte unser Vorhaben doch noch bedeutend spannender. 😉

Taucht ein in die Ultra Welt

In den folgenden Zeilen nehme ich euch mit auf eine Reise voller Glück, Staunen, Verzweiflung und Schmerzen.

56km To Go

Ich hatte nicht erwartet diese Nacht fabelhaft zu schlafen. So konnte ich zunächst nicht einschlafen um dann regelmäßig wach zu werden. Um 3:18 habe ich dann vorzeitig den Wecker geweckt. Das überraschende Anbrüllen was er so gerne fabriziert habe ich mir allerdings verkniffen.:)
Trotz abartiger Uhrzeit bin ich hellwach. Nach dem ich das bisschen Nacht im Bad hinter mir gelassen habe, stehe ich der ersten Herausforderung des Tages gegenüber: Frühstück. Ich bin ja bestimmt eine kleine Raupe doch um die Zeit fällt essen wirklich schwer. Diesmal setze ich nicht wie gewohnt auf Riegel sondern koche mir ein Porridge mit ordentlich Banane und Honig. Noch zweieinhalb Stunden bis zum Start.

Don’t drive. Fly!

Unser bestelltes Taxi steht pünktlich vor der Tür. Dem Fahrer kurz erklärt wo wir hin wollen und ab geht die wilde Fahrt. Kennt ihr den Film „Taxi, Taxi“? Die Fahrt war dem sehr ähnlich nur mit Tafelberg statt Eiffelturm. Durchschnittsgeschwindigkeit hundert Stundenkilometer. Rot und Grün? An dem Morgen nur unbedeutende Farben. Der Fahrer hat Stress noch andere Läufer wollen pünktlich zum Start. Als wir landen sind es noch zwei Stunden bis zum Start.

Das Abenteuer beginnt

Ein Gewusel im Startbereich des Two Oceans Marathon.
Endlich stehe ich im Startbereich des OMTOM 2018.

Die Einteilung der Startblöcken erfolgt nach Vorleistung bei der Qualifikation. In unserem Fall dem Berlin Marathon. Da ich Berlin keine gute Leistung abrufen konnte reihe ich mich recht weit hinten in Startblock E ein. Sven ist einiges vor mir und wird aus C starten. Kurz hatten wir drüber nachgedacht gemeinsam zu laufen, den Gedanken jedoch aus taktischen Gründern zu den Akten gelegt.

In etwa fünfzehn Minuten wird der Startschuss fallen. An dieser Stelle von Läufen gehe ich gerne nochmal in mich. Visualisiere den Zieleinlauf, in dem Fall innerhalb des Cut off, und gehe meine Versorgungstaktik nochmal durch.

Der Moderator in der Startzone fragt welche Läufer nicht aus Süd­afrika stammen. Händchen in die Höh! Direkt werde ich von den Umstehenden willkommen geheißen und ausgequetscht wo ich herkomme und was mein Zeitziel ist. Mein Zeitziel? Ich lache und antworte, dass ich einfach nur ankommen möchte. Wenn die wüssten was für eine grandiose Vorbereitung ich hinter mir habe…

Noch wenige Minuten bis zum Start, die Nationalhymne wird angestimmt und alle singen mit. Ein Gänsehautmoment!

Noch dreißig Sekunden. Meine Gedanken schweifen zu Sven, auf das der Fuß halten möge.

Noch zehn Sekunden. Kaum zu glauben nach zwei Jahren Planung und Vorbereitung stehe ich tatsächlich hier an der Startlinie.

Peng. ES GEHT LOS!

Lucas -Der Pacemaker

Meine Vorstellung ist den Two Oceans eher in Grundlagenbereich zu laufen. So zwischen 6:30 und einer 7-er Pace. Zum einen weil mir die Zeit heute unwichtiger nicht sein könnte, zum anderen weil ich bei dem Tempo kaum Sorgen mit der Energieversorgung habe. Im Training konnte ich die 40er Läufe ohne Gel oder Sonstiges laufen.

So suche ich noch meinen Platz in den Maßen. Lasse den Pace­maker für 7:00h und 6:54h hinter mir.

Auf einmal taucht der Pacemaker für 6:30h vor mir auf. Hier wird gesungen, gepfiffen und geklatscht. Cooler Rhythmus, die Zielzeit klingt vernünftig also reihe ich mich in der Traube der Läufer ein. Die Stimmung ist in Worten nicht wiederzugeben. Ein Tamburin erklingt im Takt der trommelnden Füße. Stimmen klingen in Melodien ein. Oberkörper wiegen sich im Takt. Nach einigen Kilometern ertappe ich mich wie ich anfange zu summen. 🙂

An den Versorgungspunkten zeigt sich der Zusammenhalt. Ein paar Läufer schwärmen aus und bringen für den Rest der 6:30er Meute Wasser mit. Das Wasser wird hier, anders als bei uns, in Tüten ausgegeben, ähnlich der Milchtüten früher in der Schule. Von wegen Laufen ist kein Teamsport.

Die Kilometer fliegen nur so dahin. Meine Augen scannen regelmäßig den Rand, ich bin so erleichtert Sven bis jetzt nicht gesehen zu haben. Wir sind nun nach der Halbmarathon Marke und mein Optimismus steigt dass er durch kommt.

Der erste Anstieg liegt vor mir. Dieser wird von einem traumhaften Ausblick auf Noordhoek Beach begleitet. Es scheint nicht nur mir den Atem zu rauben, denn auf einmal hört man nur noch das trommeln der Laufschuhe auf dem Asphalt. Die Stimmen sind verstummt.

Chapmans Peak Climb – Der Zerstörer

Der Anstieg startet etwa bei km 29 und schraubt sich stetig in die Höhe. Lucas leistet auch hier tolle Arbeit. Das singen weicht einem taktvollen Pfeifen. Das reist einfach so sehr mit, dass man gar nicht auf gehen umschalten kann. Geschickt streut Lucas immer wieder Gehpassagen ein. Ein Countdown kündigt anschließend das Weiterlaufen an. Geniale Taktik! Alle bleiben dran und die 4,5km bergauf liegen im Handumdrehen hinter uns. Er und seine Copiloten haben es voll drauf.

Das feierliche „Well done“ und das High-Five von einer Mitläuferin werden nur noch von der Kapelle getoppt, welche uns auf dem „Gipfel“ erwartet.

Was man hoch läuft muss man auch wieder runter, mit dem Bike ist das immer die Stelle wo der Spaß anfängt. Wer noch keinen Trail gelaufen ist oder bei einem Straßenlauf noch keine längere bergab Passage hatte wird es kaum glauben:

Runter ist härter als hoch.

Meine Oberschenkel ackern und arbeiten. Bei jedem Schritt müssen sie mich abbremsen. Rechts geht es langsam los, ich merke praktisch wie die Muskeln kaputt gehen. Es fühlt sich an wie eine Eisfläche, welche mit jedem Schlag weitere Risse bekommt. Ich versuche rund zu laufen und rollen zu lassen dennoch wird es rasant schlimmer. Schließlich sind beide Oberschenkel bei jedem Aufkommen ein einzig schmerzender Klumpen. Zum Glück sind es ja nur noch etwa 16 km…

Erstaunlicherweise vergingen die ersten 40km wie um Flug. Klingt komisch, ist aber so!

Von Schmerz und Angst

Die letzten 16km muss ich nun ohne die musikalische Unterstützung der 6:30er Gruppe bewältigen. Ich habe versucht dran zu bleiben konnte jedoch das Tempo bergab nicht halten.

Als es endlich wieder flach wird fiebere ich der nächsten Verpflegungsstelle und einem eiskalten Wasser entgegen. „No water, just icecold Coke“
What? Wenig glückliche nuckle ich die warmen Wasserreste aus meinem Camelbak. Wenig erfrischend doch Wasser ist Wasser.

Inzwischen ist jeder schritt eine Qual. Die Marathon Marke passiere ich nach 5h, heißt 20 Minuten Vorsprung zur Cut Off Zeit. Die Cut Off Zeit liegt bei sieben Stunden. Jeder der länger braucht ist raus, kein offizieller Finisher und geht demzufolge auch ohne Medaille nach Hause.

Den nächsten Anstieg gehe ich komplett. Was heißt ich. Alle! Absolut niemand ist mehr im Laufschritt unterwegs. Bis es wieder bergab geht. Na los! Aua! Nee, auf keinen Fall. Ich beschließe den Rest des Ultras zu walken bzw. zu gehen, denn wenn nichts staucht tut auch nix weh. Irgendwo komme ich jedoch so nicht vom Fleck. Wie zum Kuckuck schaffen die Geher so ein irres Tempo?

Es sind noch etwa 8km und seit gefühlt einer Stunde versuche ich herauszufinden wie schnell ich laufen muss um unter der 7h Marke ins Ziel zu hechten. Mein Hirn ist nicht weniger rissig als meine Oberschenkel, ich raffe es einfach nicht.

Hah! Ich stelle auf meiner Garmin eine Seite mit Uhrzeit und Geschwindigkeit ein. So schaff ich es tatsächlich auszurechnen wie viel Stundenkilometer ich laufen muss.

VERDAMMTE SCH…. !

Der Vorsprung ist dahin, nun muss ich beißen. Die Beine bewegen sich wieder schnellen 8km/h…. 9km/h so ist gut, so schaffe ich es. Bei jedem Schritt fühlt es sich an als reißen die Muskeln in den Oberschenkeln weiter ein. Der Brustgurt versucht mich recht erfolgreich in zwei Teile zu zersägen.

Ich wusste es wird weh tun, hätte aber gern Unrecht gehabt.

In Massen überhole ich nun andere Läufer. Wissen die wie eng es wird?

Die Medaille nehme ich mit nach Hause und wenn ich hinter der Ziellinie nur noch kriechen kann!

Sportler haben einen Knall, oder?

Noch 1km. Es mogeln sich so Gedanken ein wie „halte doch einfach an“. Wer hat das gesagt? Geh einfach weg! Ich bin mir sicher, dass ich nicht noch einmal loslaufen kann, wenn ich nochmal ins Gehen wechsle.

Ich laufe, kämpfe, leide und rechne. Noch 500m. Es geht nochmal bergab. Welcher Armleuchter plant sowas? Mit einem Painface der übelsten Sorte steuere ich der Zielgeraden entgegen. Noch 1oom. Die Uhr zeigt 6:54.

Ich schaff es.

ICH HABE ES GESCHAFFT!

Im Ziel

Medaillen waren schon knapp und nicht mehr an jedem Zieldurchgang zu bekommen. Doch ich habe meine um den Hals. Erleichtert und völlig, sorry für die Wortwahl, im Arsch. Ich versuche mein Gehirn soweit zu reaktivieren, dass ich nicht anfange ziellos im Kreis zu laufen.

Das Handy zeigt keine Nachricht von Sven. Für mich ein gutes Zeichen. Wir hatten uns am Meeting Point 4 verabredet. Die 4 entdecke ich… Oben! Nee, echt jetzt? Leise vor mich hin fluchend und etwas wimmernd schleppe ich mich wie eine 110 jährige die Stufen hinauf. Geschafft!

Da ist sie die große vier und was ist daneben? Ein Pfeil der nach unten zeigt. Ich kann die Träne nur mühsam zurück halten.

Nach etwa 5 Minuten bin ich die 20 Stufen wieder runter geeilt und finde endlich die Meeting Zone. Schwankend lasse ich den Blick streifen.

Als ich Sven entdecke kann ich plötzlich wieder lächeln. Ich sprinte los! Naja laufe. Ja gut, ich schlurfe. Wir fallen uns in die Arme beide mit der Medaille um den Hals, beide mit Pippi in den Augen. Tränen der Erleichterung, weil es der andere auch ins Ziel geschafft hat.

Nach zwei Jahren der Planung und Vorbereitung dürfen wir uns Ultraläufer nennen!

Ultraläufer, was für ein Gefühl…

Tja, wie fühlt man sich nach so einem Ultra mit einer so tadellosen Vorbereitung? Unmittelbar nach dem Lauf war es mir nicht möglich etwas vom Fußboden aufzuheben. Schon das Abstellen meiner Wasserflasche barg das Risiko diese für immer zu verlieren. Es war mir nicht möglich mich so weit zu bücken.

Zu unserem Appartement in Kapstadt führte eine etwa 25cm hohe Stufe. Wir standen kurz ratlos davor und wussten nicht so recht wie wir hochkommen sollten.

Nach dem Duschen war Füße abtrocknen eine wirkliche Herausforderung.

Kurz um: wir waren richtig kaputt.

Ist das gesund? Nein, dass war wirklich ein Angriff auf unsere Körper und das lassen diese uns auch in aller Deutlichkeit wissen.

Die Nacht danach fanden wir kaum Schlaf, jede Bewegung, jedes Muskelzucken war von Schmerz begleitet.

Regeneration

Wer seinen Körper dermaßen quält muss ihn auch zu pflegen wissen. So haben ich in den Tagen danach mein Essen mit Bedacht ausgewählt. Mit Pferdesalbe und Kompression gearbeitet.

Heute ist der Dritte Tag nach dem Lauf. Ich habe das Glück wieder gut auf den Beinen zu sein. Mein armer Mann leidet noch sehr. Doch ich bin sehr zu zuversichtlich, dass er sehr bald wieder frech wird. Nun genieße ich die Ruhe noch ein wenig. 🙂

WIR SIND ULTRA LÄUFER!

Tags from the story
,
Written By
More from Malahealth

Garmin FR15 – Die einsteigerfreundliche Pulsuhr

Laufen mit oder ohne Pulsuhr? Ich bin ganz klar für mit, gerade...
Read More

2 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*