NutriBullet Bay to Bay – 30km durch Südafrika

Das Edelmetalle als Lohn für die Mühen
Lohn für 30km. Die Finishermedaille vom Bay To Bay 2017.

Ein steiniger Weg

Es war eine Odyssee bis ich schließlich am 8. Januar an der Seite meines Freundes beim NutriBullet Bay to Bay in Kapstadt an der Startlinie stehen konnte.

Eine Verletzung des Piriformis zog sich doch deutlich länger hin als erwartet. Seit 4,5 Monaten ist alles auf ausheilen und Schmerzfreiheit ausgerichtet.

Gemeldet hatte ich mich beim Bay to Bay zunächst für die 15km, da ich vor Weihnachten einfach noch nicht weiter war. Erst die zwei langen Läufe über 20km machten mir etwas Hoffnung auf die 30km Strecke.

Nachdem ich dann in Südafrika die 10km Läufe mit 10 Minuten Laufen und 1 Minute Gehen schmerzfrei absolviert hatte stand für mich die Ummeldung fest.

Ich wollte die 30km sehen. Wann sollte ich denn nochmal die Gelegenheit für diesen Lauf bekommen?

Im heimischen Training war alles auf Walk & Run ausgelegt. Heißt kein durchlaufen, sondern regelmäßige Gehpausen um die Muskulatur zu schonen. Klingt komisch hat mir aber sehr geholfen.

Für den Bay to Bay hatte ich 8 – 1 angesetzt. Also 8 Min Laufen und 1 Min Gehen. Mein Ziel war einfach: möglichst schmerzfrei ins Ziel laufen.

So nun genug des Vorgeplänkels!

 

8. Januar 2017, Kapstadt

04:00 Uhr

Der Wecker beendet eine unruhige Nacht. Irgendwie hat sich doch etwas Aufregung in die Nachtruhe gemogelt. Das Aufstehen fällt unerwartet leicht. Die Vorfreude und Neugier ist trotz Müdigkeit schon groß.

Ich absolviere schnell die Badetappe und schlüpfe in die schon bereitgelegten Laufsachen. Zum Frühstück gibt es zwei Powerbars und einen gekauften Smoothie. Dieser sorgt direkt für Gesichtsgymnastik. Lecker ist anders! 🤢

Mein Freund und ich teilen zum Glück das Hobby des schnellen Schrittes. So packen wir eine gemeinsame Tasche mit den Startunterlagen und den Wechselshirts.

 

04:45 Uhr

Das Taxi ist da! Pünktlich wie bestellt steht unser Fahrer bereit um uns zum Start zu bringen. Dieser ist etwa 8km vom Hotel entfernt. Kurz nach 5 Uhr stehen wir in der kühlen Morgenluft in Camps Bay. Die Sonne schläft noch. Im Schein der Straßenlaternen montieren wir unsere Startnummern und Lauflizenzen. Mir ist trotz Pulli echt kalt und ich war froh die Lizenz mit den Sicherheitsnadeln wirklich nur am Shirt von Sven befestigt zu haben. 🙉

Wir machen uns auf die Socken und suchen die Gepäckabgabe. Etwas ratlos wegen mangelnder Beschilderung folgen wir einfach Läufern mit Taschen. Der Plan geht auf.

Ohne Tasche und Jacke geht es Richtung Startbereich. Es ist inzwischen kurz nach halb sechs. Es werden noch Fotos gemacht, eben die Dixies getestet und schon ist es soweit und wir stehen im Startbereich. Es ist 5:50 Uhr. Ich freue mich wie Bolle und sauge den ganzen Laufzirkus in mich auf.

 

06:00 Uhr

Ein Startsignal habe ich nicht gehört, doch die Masse setzt sich in Bewegung. Also auf geht’s! Auch die Startlinie kann ich nicht direkt ausmachen, die Fenix darf ab der ersten weißen Linie mitspielen. Ist auch total Wurscht, heute laufe ich mal nicht um den Sieg. 😂

Erst jetzt sehe wie viele Läufer am Start gelauert haben. Unzählige Läuferbeine bahnen sich ihren Weg durch die noch verschlafenen Straßen von Camps Bay. Inzwischen ist auch die Sonne an der Arbeit und sagt uns Guten Morgen. Die Strecke liegt günstig, die zwölf Apostel werfen sich schützend zwischen uns und die direkten Sonnenstrahlen. Danke dafür!

 

Aktuell halte ich an meinem Plan fest. Acht Minuten Laufen und eine Minute Gehen und ja es fällt mir schon schwer. Aber ich möchte finishen ohne die Verletzung wieder zu wecken. Die Garmin ist noch im Nachtmodus und hat mich nicht getraut anzupiepsen. Dafür nutze ich direkt die erste Laufpause, so sehe ich wenigstens beschäftigt aus. 😜

Die ersten drei Kilometer führen uns durch Camps Bay dann geht es auf die Küstenstraße. Ein „Wow“ beschreibt es wohl am besten. Ein grandioser Blick über den Ozean zaubert mir eine Gänsehaut auf die Arme und ein verträumtes Lächeln ins Gesicht.

Genau für solche unvergesslichen Momente laufe ich!

Nun geht es an der Küste entlang und bis etwa Kilometer 10 stetig bergauf. Dann der Einlauf nach Hout Bay. Bergab. Lange. Steil. Scheiß auf Run and Walk. Rollen lassen!

So schieße ich ungebremst mit einer 4:33er Pace gen Tal. Laufen fetzt! 😂😜

Nach zwei Kilometer hat die wilde Hatz ein jähes Ende und ich mach es mir wieder gemütlich.

Meine hochprofessionelle Hochrechnung prophezeit mir, dass ich meinem Schatzi etwa bei Kilometer 15 begegne. Das passt erstaunlich gut. Er sieht mich auch. Ein kurzes Lächeln und Winken. Toll, wenn man nicht allein ist. ❤

Ich schaffe es tatsächlich bei diesem Lauf im hier und jetzt zu laufen. Kein Denken an den nächsten Kilometer oder den vergangenen. Genau bis zu diesem Moment ist das super, doch nun die Ernüchterung: den Berg den ich wie eine Kanonenkugel nach unten geschossen bin, muss ich wieder rauf. Verdammte Axt! 🙈

Zum Glück habe ich rechtzeitig vor dem alpinen Anstieg mein zweites Gel genommen. Tschakaaa! Am Berg wechsle ich dann den Rhythmus von 8-1 auf 2-1. Wir sind jetzt bei Kilometer 18. Interessant ist, hier läuft fast alles. Mit meinem 2-1 liege ich noch sehr gut. So schraube ich mich Meter für Meter dem Ziel entgegen. Ihr könnt kaum glauben wie froh ich war, diesem kleinen Mount Everest erklommen zu haben. Oben angekommen hätte ich wieder zu Luft kommen können, doch dann dieser atemberaubende Anblick. Das Meer!

Dieser Anblick ist jeden Schritt wert.

Die Verpflegung auf der Strecke ist super, aller drei Kilometer gibt es eiskaltes Wasser und Cola. Und das Beste das Wasser ist in kleinen Tüten wie früher die Milch in der Schule. Lässt sich viel besser trinken. Auch ein Päckchen für unterwegs ist so möglich. Da die Sonne seit ein paar Kilometern über den Berg geklettert ist find ich eine Dusche ab und an erfrischend, auch das geht mit den Beutelchen besser, auch wenn so der Läufer davor oder dahinter immer mal einen Strahl abbekommt. Sicher nicht unglücklich darüber. 😉

Wir sind inzwischen bei Kilometer zwanzig, die Gespräche verstummen immer mehr, die Temperatur steigt, der Verkehr nimmt zu.

Verkehr? Ja, hier werden die Straßen nicht für einen Lauf gesperrt. Immer schön links halten. Die Autofahrer sind cool, halten Abstand, fahren langsam mit lauter Musik vorbei und feuern uns an. Südafrikanische Gelassenheit! 👍

Posted by Malahealth on Samstag, 7. Januar 2017

Ab Kilometer fünfundzwanzig wird es spannend. Zwei dicke, fiese Stiche in der Hüfte. Danke, hab’s verstanden. Direkt eine Gehpause und wieder Tempo rausnehmen. Hat ja Recht der Körper. Für die suboptimale Vorbereitung macht er toll mit. So passe ich nun alles an. Trinke wie ein Weltmeister an den Versorgungsstationen und bin trotzdem am Verdursten. 🙊

Zwei Kilometer später. Jetzt wird es zur Qual, es tut nix weh, aber die Oberschenkelmuskeln pfeifen auf dem letzten Loch. Die letzten zwei Kilometer laufe ich durch. Warum? Es ist Stadt und die ist voll, die Blöße will ich mir einfach nicht geben. Blöder Ehrgeiz. 😏

Das Ziel! Ich könnte weinen vor Freude, vor allem, weil es bergab geht. Im Zieleinlauf entdecke ich Sven mit der Kamera: „Cheese!“.

Kurz nach der Ziellinie gibt es eine Plastikhülle mit einer Nummer. Häh? Dann die Medaille, selten so über das Metall gefreut. Im Auge habe ich aber schon wieder den Versorgungsstand: DURST! Greife alles was in meine Hände passt. Die drei Becher Wasser sind ein Tropfen auf den heißen Stein. 😲

Erst jetzt im Gehen wird mir das Ausmaß der muskulären Belastung bewusst. Ich stakse eher durch die Gegend so richtig Kontrolle habe ich über meine Stelzen gerade nicht.

Sven weiß schon was es mit der Nummer und der Plastikhülle auf sich hat. Das ist hier die Zeitmessung. 😳Wir stecken eine Karte mit unseren Daten dazu und werfen es in einen Karton für den 30km Lauf. Wie geil ich das bitte? Ich vertraue in dem Fall lieber meiner Fenix. 😉

Der Zielbereich ist kunterbunt und wimmelt vor Läufern und deren Vereinen. Vereinsangehörigkeit scheint hier Gang und Gebe. Die Vereine haben ihre eigenen Pavillons aufgebaut wo die Läufer nach dem Lauf versorgt werden. Mir gefällt das Miteinander sehr gut. Schon bei uns mag ich die Laufatmosphäre aber hier scheint alles noch harmonischer abzulaufen. 🌈

 

09:30 Uhr

Wir schlüpfen schnell in die Wechselshirts und kämpfen uns durch das Getümmel. Für den Rückweg nutzen wir den Sightseeing Bus. Die Treppe auf das oberste Deck ist meine zweite Mount Everest Besteigung für heute. 🙈

 

11:00 Uhr

Im Hotel angekommen wird eben geduscht ein kalter Appletizer getrunken und nun ab zum Essen.

 

Das Schlußwort

Im Nachhinein bin ich so froh mich trotz der fehlenden Vorbereitung auf die 30km Strecke gewagt zu haben. Das Erlebnis wird unvergesslich bleiben!

Die Organisation war wirklich großartig! Nun wissen wir auch was uns beim Two Oceans Marathon erwartet. Vor der Strecke und den 56km habe ich nun einen riesen Respekt bekommen. Der Todesberg von Hout Bay sind beim Two Oceans die Schlußsequenz. 😳😵

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