Ironman 70.3 Zell am See – Das passende Debüt

Die Planung

Dieses Jahr sollte es so richtig los gehen mit dem Triathlon. Ich habe letztes Jahr bei zwei Sprintdistanzen in den Sport geschnüffelt. Beim Zusehen hat auch Sven Appetit bekommen und gemeint es sei doch etwas abwechslungsreicher als nur zu Laufen. So kam es wie es kommen musste und am 15.11.2017 gesellten sich unsere Namen auf die Starterliste des Ironman 70.3 in Zell am See.
Wir wollten uns als Triathlon-Saison Highlight den 1,9km Schwimmen – 90km Rad fahren – 21,1km Laufen stellen. 

Seit Mai begleitet mich ein Coach auf meinem sportlichen Weg, einfach weil ich alles richtig machen möchte und ich keinen Dunst habe wie ich drei Sportarten geschickt für das Training kombiniere. Konnte ich für unsere Laufevents noch die Trainingspläne selbst schreiben war an der Stelle für mich Schluss.
Sven wollte Erfahrungen beim neuseenMAN und beim Leipziger Triathlon sammeln, das Training setze er nach den Plänen im Magazin Triathlon um. 
So gerüstet sollte es am 23. August für 10 Tage nach Zell am See gehen.

Das Universum hatte für uns anderen PläneSo wurde aus dem gemeinsamen Debüt ein Debüt mit beleierndem Herzen und wenig freudigen Momenten. So viele Menschen waren für mich da und dennoch vermochte keiner den Schmerz auch nur im Ansatz zu lindern.

Die Anreise 

Aus dem geplanten Urlaub wurde ein reines Triathlon Wochenende. Freitag Abend die Anreise. Samstag die Abholung der Startunterlagen und Check-In. Sonntag Raceday und schließlich am Montag Morgen zurück.
Zum Einen kann ich einfach keinen Urlaub mehr machen, da ich das Geschäft nicht einfach aussetzen kann, zum Anderen hätte ich es in den Bergen ohne Schatzi einfach nicht länger als nötig ertragen.

Viel zu viel Platz 🙁

Also belud ich am Freitag das Auto, in dem mit nur einem Athleten abartig viel freier Platz übrig bleibt, und startete am Nachtmittag mit meiner Mam Richtung Zell am See. 
Gegen zehn am Abend schlugen wir bei strömenden Regen auf und waren froh als wir die Unterkunft gefunden hatten.

 

 

Das Betreten des kleinen Studios im Herzen von Zell mit einer ganz tollen Aussicht über den See schnürte mit die Luft hab. Mehrfach hatten Sven und ich uns im Vorfeld die 360 Grad Fotos angesehen und wusste auch schon wo die Fahrräder schlafen sollten. Nun allein dort zu stehen war einfach beschi… Und ich konnte es nicht erwarten früh das Zimmer wieder verlassen zu können.

Ironman – der erste Kontakt

Noch nie war ich auf einem Ironman Event und dementsprechend war ich neugierig was mich erwartete. Dies ging wohl nicht nur mir so, denn fünfzehn Minuten vor der Öffnung des Ferry Porsche Congress Centers und damit der Ausgabe der Startunterlagen sammelten sich schon eine ganze Menge Athleten vor dem Eingang.

Die Orientierung war einfach und schließlich nicht anders als bei den Laufveranstaltungen. So hatte ich in kürzester Zeit meine Startnummer 588 in der Hand.

Neben der Ausgabe der Startnummern befand sich ein Whiteboard auf dem sich die Athleten verewigen durften. Über diesem prangte ein für mich besonderer Satz: „See you at the finish line!“ Zack wieder Pippi in den Augen. 

Aus Marketing-Sicht clever gab des den zweiten Teil der Startunterlagen, die Beutel für die Wechselzone, ganz am Ende des großen Merchandising Zelts. Als wäre da nicht sowieso jeder Teilnehmer rein gelaufen. 😉
Mit großen Augen ging ich durch die Reihen von Klamotten und vermutlich hätte ich dort ein kleines Vermögen ausgegeben. 
Da ich jedoch unser mein Messeverhalten kenne hatte ich schon von Vornherein ein Budget eingeplant und auch nur dieses einstecken. Frau will ja schließlich auch nach dem Wettkampf noch was essen.

In der Ecke mit dem Finisher Shirts liefen dann auch schon wieder die Tränen. Auf dem Rücken der Shirts stehen die Namen aller Teilnehmer. Als ich den Namen Sven Surma lese, kann ich die Tropfen nicht mehr zurückhalten. Auf diesen Shirts sind wir für immer vereint. Am liebsten hätte ich alle mitgenommen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich uns gemeinsam hier stehen und uns darüber freuen bald stolz wie Bolle diese Shirts tragen zu können.

Lichtblicke – ein Wiedersehen

Nach fast 3 Jahrzehnten endlich wieder gesehen.

Zwei Jacken, ein Hoodie (der muss einfach immer sein), ein Basecap und ein Mütze später ging es Richtung Grand Hotel. Wie der Zufall so will war gerade zu diesem Zeitpunkt meine Tante mit Mann und Geschwistern in der Gegend. Ein Wiedersehen nach fast 30 Jahren.

Unveränderte Herzlichkeit schossen meiner Mam und mir entgegen. Ein superlieber Ehemann der 70 Jahre aktiver Leistungssportler im Radrennen war und erst seit kurzen nicht mehr draußen fahren kann. Der Hammer! Das wir Gesprächsstoff hatten steht wohl außer Frage. 

Die Stunde im Kreise dieser warmherzigen Menschen verging wie im Flug und war Balsam für die Seele. Mir ist die Kinnlade auf den Tisch gefallen als ich hörte, dass ich hier mit Damen und Herren um die 80 Jahre sprach. So fit und gut drauf, da kann sich so mancher mit 60 eine Scheibe abschneiden. Etwas traurig verabschiedeten wir uns, da mein Check-In noch an stand. Diesmal vergehen aber keine Jahre bis zum nächsten Treffen!

Unmittelbare Wettkampfvorbereitung

Regenlauf zum Beine ausschütteln.

In Zell am See tobte das Verkehrschaos darum beschloss ich kurzerhand mit dem Rad zum Check-In zu fahren und den Rückweg zu laufen. Die Beine wollten eh nochmal ausgeschüttelt werden. Auf Grund des vielen Wassers von oben, musste auch nur der Helm mit. Das Running Gear durfte noch bis zum nächsten Morgen im Trockenen bleiben.

Zurück im Zimmer hieß es für mich Gedanken zusammen nehmen und alle Wettkampfutensilien auf die Tüten zu verteilen. Bei meinen bisherigen Triathlons bin ich ganz entspannt mit dem super genialen Transition Bag (Geburtstagsgeschenk vom Hasi) in die Wechselzone marschiert, habe alles vorbereitet und bin wieder rausmarschiert. Die Tasche ging danach ins Auto und gut war.
Diesmal war kein Auto in der Nähe und meiner Mutter konnte ich wohl kaum die Riesentasche auf den Rücken hängen, wäre sie vermutlich zehn Zentimenter kleiner gewesen nach meiner Rückkehr.

Also Bike-Klamotten raus. Hier haderte ich noch ob Regenjacke oder Armlinge und Weste. Der Morgen sollte die Entscheidung bringen.
Laufzeugs, Nahrung, Wechselsachen und die Utensilien für das Planschen folgten. Das Zimmer sah nun aus als wäre ein Sportler explodiert, praktisch wie immer.

Draußen schüttete es und die Temperatur lag unter 10 Grad. Ich machte mir berechtige Gedanken was das Radfahren betrifft. Bei den Bedingungen sind schnelle Abfahrten nicht ganz ohne. Auf meinem Mountainbike mit den Scheibenbremsen wäre ich ja cool geblieben, aber mit den Carbonfelgen macht sowas wenig Freude. Von wirklicher Wettkampfnervosität kann ich allerdings nichts berichten, bin ich in der Regel recht relaxt. In der Vergangenheit konnte ich meist mit Vorfreude statt mit Nervosität aufwarten.

Crazy Raceday

Die Gipfel sind schon weiß vom Neuschnee.
Erste Schnee gesichtet.

Nach dem Weckerklingeln das übliche Prozedre, ihr kennt es schon. Ab ins Bad, Frühstück essen, Sachen schnappen und los. Das Thermometer meldete sechs Grad, damit war dann auch die Bekleidungsthematik geklärt. Die neue Regenjacke darf an die frische Luft.

Auf dem Weg zum Start kamen wir an einem telefonierenden Streckenposten vorbei und ich hörte noch: „also kein Rad heute.“ Mit neugierigem Blick ging ich auf ihn zu und er sagte mir direkt: „Do you know the latest news? There is no bike today, it’s too cold.“
Ward ihr schon einmal enttäuscht und erleichtert zu gleichen Zeit? Ein interessantes Gefühl. Enttäuscht, weil ich mich seit Monaten auf den Wettkampf vorbereitet habe und echt gern Rad fahre. Erleichtert, weil die Wetterverhältnisse abartig waren. 
Später sah ich Bilder von der Radstrecke: Schnee auf dem Berg und überflutete Straßen im Tal. Der Veranstalter hat also absolut richtig entschieden. Safety first!

Im Startbereich angekommen hörte ich die nächste, jedoch logische, Überraschung: Startzeit von 11:10 Uhr auf 13:20 Uhr verschoben.
Klar die Absperrungen der Straßen für den Lauf unterliegen ja einem Zeitplan und können nicht mal eben spontan um ein paar Stunden nach vorn gezogen werden. Also ab ins nächste Cafe zum Aufwärmen und Tee trinken. 

Mein erste Swim and Run

Endlich war es soweit und ich stand eingepackt im Neo und barfuß am Schwimmstart. Da ich wenig Interesse an Hektik hatte und auch keine Vorstellung wie sich ein rollender Start von der Schwimmerdichte so anfühlt, ordnete ich mich im langsameren Feld ein. Blöde Idee wie sich herausstellen sollte.

Wir hörten den Startschuss um 13:20 Uhr. Doch wir standen. Und standen. Und standen. Wie toll sich das bei 6 Grad Außentemperatur anfühlt muss ich wohl nicht näher erläutern. Inzwischen hatte ich zwei Ladies kennen gelernt. Wir unterhielten uns wirklich gut. Für alle drei sollte es die erste Mitteldistanz werden, was ein toller Zufall. So tauschen wir uns aus und hielten uns durch das Reden warm. 

Als die Sprache auf die Familie kam, musste ich mich zusammenreisen. Es ging darum, dass der Partner echt Verständnis haben muss oder selbst ein Athlet sein um die Vorbereitungszeit zu verstehen. Auf der einen Seite dankbar genau so einen Partner gehabt zu haben auf der anderen Seite dieses fiese laute schwere Herzklopfen vor Trauer und Sehnsucht.

Nach knapp einer Stunde rum lungern kam endlich Bewegung in unsere Startwelle. Stück für Stück rückten wir dem See entgegen. Wir wünschten uns Glück und tauschten die Startnummern aus. Dann ging es ab ins kühl… nee ins warme Nass. Herrlich das Wasser mit gut 21 Grad. Eine Wohltat für die Füßen und Hände. Die ersten Schwimmzüge hatte ich Probleme. Ich konnte unter Wasser einfach nicht ausatmen. Ein paar konzentrierte Brustzüge waren nötig um meinen Rhyhtmus zu finden.
Es war ein Traum soviel Platz zum Schwimmen zu haben, keine Ellbogen oder Füsse denen man ausweichen musste. 

Diesmal hatte ich auch zu keinem Zeitpunkt Angst auf dem See, was mir sagt es ist wirklich nur die Hektik von Massenstarts ist die mir Unbehagen bereitet. Good to know.
Raus aus der warmen Wanne und rein in die kalte Realität. Das Wechselzelt war auch etwas geflutet, weshalb es hier eng zur Sache ging. Die Wechselzeit war mir gelinde gesagt total schnuppe. In Ruhe die Socken und Schuhe, dann die Weste angezogen, einen Schluck aus meiner Gelflasche genommen und ab auf die Laufstrecke. 
Schon mal Socken über nasse Füsse gezogen? Super sage ich euch.

Fokus auf den Lauf.

Die Nummer mit dem Laufen.
Gerade habe ich da eine mentale Blockade. Sobald ich etwas lese um die 5:30er Pace, sagt mein Kopf zu schnell, das schaffst Du nicht. Meine Halbmarathon PB von 1:48h sagt da was anderes und mein Coach auch. Im Vorfeld haben wir darüber gesprochen und er hat mir hier ein paar tolle Gedanken mit auf den Weg gegeben. So war mein Ziel für den Tag eine 5:30er Pace.

Wie von allein lag mein Fokus immer auf dem aktuellen Kilometer. Kein es sind noch 19 oder boar ist das noch weit, einfach von Kilometer zu Kilometer gearbeitet. Auf meine Garmin habe ich immer erst nach dem Pieps geschaut und abgeglichen. Ich lag immer gut unter meiner Wunschzeit. Ein etwas längerer Anstieg war dabei, doch bergab kann man ja rollen lassen also egal hier ein paar Sekunden länger zu brauchen.
Kurz vor Schluss bei Kilometer 16 konnte ich dem Gefühl nicht mehr vertrauen auf einmal war die Kilometerzeit viel zu hoch. Aktiv an der Gasschraube gedreht und tatsächlich, dass ging noch. Ein Spaziergang war es nun nicht mehr, aber es lief.

Auf diese Weise verflogen die Kilometer. Im Handumdrehen durfte ich links Richtung Ziel abbiegen. Der Zieleinlauf war schmal und von Menschen gesäumt die einen feierten. Natürlich freut man sich als Athlet auch wenn man ja irgendwie nur einen Halbenmarathon gerannt ist und kein wirklicher Ironman Finisher wird.

Ich sollte den Halbmarathon mit einer 5:25er Pace und einer Gesamtzeit von 1:54:23 ins Ziel bringen. Damit ist der erste Schritt zum überwinden der mentalen Barriere getan. Tschakaa!
Das Schwimmen war mit 39:51 Minuten nicht soo dolle. Hier werde ich auf jeden Fall den Winter dran arbeiten. Denn nach den Wettkampf ist vor dem Wettkampf.

Als 70.3 Finisher sehe ich mich nun nicht, aber als ein Survivor dieses verrückten Rennens. Das bleibt auf jeden Fall im Gedächtnis.

Ich war froh den Koffer nun wieder packen zu können und die Heimreise anzutreten. Uns hätte jetzt noch eine Woche Urlaub bevor gestanden, ganz entspannt in den Bergen regenerieren. Vermutlich die Wälder mit dem MTB durchstreifen und einfach die Zeit genießen nach dem aufregenden Arbeitsjahr. Es vergeht einfach keine Minute in der meine Gedanken nicht bei Sven sind.

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