Gedanken

Schatten

Verschwinden

Wie ganz langsam gemeinsame Dinge verschwinden.
Die Zahnpastatube ist neu, hattest Du also nie in der Hand.
Die Jacke in der Du mich zuletzt umarmt hast muss in die Wäsche.
Dein Name ist nicht mehr in meiner Anrufliste.
Neue Bettwäsche muss aufgezogen werden.
Die Dinge die Du angefasst hast werden immer weniger, auch Deine Sachen riechen jeden Tag etwas weniger nach Dir.

Reden

Ich rede oft mir Dir, wenn ich denke jetzt bist Du bei mir. Erzähle Dir von meinem Tag und den neuesten Tratsch und Klatsch. Frage Dich um Rat oder zeige Dir neue Sachen bei denen Du Dich mit mir gefreut hättest. Entschuldige mich, wenn ich etwas tue was Du nicht so gut gefunden hättest. Und ich danke Dir oft für diese unglaubliche tolle Zeit. Für kein Geld der Welt würde ich nur ein Minute davon abgeben.

Glauben

Ein religöser Mensch bin ich nicht, doch es gibt andere Dinge an die ich glaube.
So richte ich schon einige Zeit meine Wünsche oder gar Forderungen an das Universum. Ganz oft wurden diese auch erfüllt. Nein, nicht so etwas wie ein Lottogewinn, sondern wichtige Sachen wie zum Beispiel Gesundheit und Wohlergehen für mein Hundebaby Maci.
Auch glaube ich schon immer daran, dass wir nicht ganz gehen, wenn wir gehen. Ich glaube danach kommt noch was, wie auch immer es aussehen mag. Und so hoffe ich, dass Du bei mir bist. Nicht ständig, dass wäre auch manchmal peinlich, aber ab und an. Im Moment vielleicht auch etwas mehr?
Mir hilft der Gedanke Dich an meiner Seite zu wissen.

Deal?!

Was ich dem Universum in den letzten 17 Tagen alles zum Tauschen angeboten habe. Von meinen Beinen über jeglichen irdischen Besitz bis zu fremden Menschen auf der Straße (sorry aber da kommt der Egoismus auch bei mir durch). Leider war nichts von dem was ich hätte geben können so wertvoll wie Du. Verstehe es gut, ich hätte Dich auch gegen nichts auf der Welt eingetauscht.

Der Geist schützt

Mein Gehirn gibt sich große Mühe mich zu beschützen. Ich nehme das wirklich dankend zur Kenntnis und lasse es so weiter arbeiten.
Was es tut? Nun es verbietet mir verschiedene Worte in Verbindung mit Deinem Namen zu nennen. So geht das Gegenteil von immer und Schatz nicht in einem Satz. Auch Be…. funktioniert nicht, für mich heißt es A…. Mhh nee auch da eine Wortsperre.
Daran Deine Sachen aus dem Bad zu räumen ziehe ich nicht mal ansatzweise in Erwägung. Auch Dein alkoholfreies Hefeweizen aus dem Kühlschrank zu nehmen steht nicht zu Debatte. Da trinke ich lieber warmes Wasser.

Paare

Meine Reaktion auf glückliche Paare ähnelt ein klein wenig der Reaktion als hätte ich Liebeskummer (ist es ja auch irgendwie, Du fehlst mir soooo verdammt!). Mit dem Unterschied, dass ich diese nicht mit einem Eimer Wasser trennen möchte sondern voller Neid oder besser Sehnsucht hinsehe.
Und ich möchte allen sagen: „Seid dankbar einen Menschen gefunden zu haben der euch liebt. Streitet wenig und kurz. Genießt eure gemeinsame Zeit bewusst. Und ärgert euch nicht über kleine Macken, dass ist so unwichtig.“

Unnütz

Was ich für absolut unnütz halte und mir mir strickt verbiete sind Gedanke wie hätte man es verhindern können. Und ich weiß dafür würdest Du mich fest umarmen und mir strahlend zustimmen. Es hilft Null sich Gedanken darüber zu machen. Es macht nur trauriger, wütender und hilfloser.
Hätte, könnte und wäre sind demnach gerade nicht meine besten Freunde.
„Es ist wie es ist.“ Aber das kennst Du ja schon von mir. Genervt hat Dich dieser Satz letztes Jahr in Südafrika. Doch nach kurzer Zeit hast Du zu mir gesagt: „Du hast recht. Manche Dinge kann man nicht ändern und es ist eben wie es ist!“

Keine Träume mehr

Das klingt jetzt dramatischer als es ist. Vor dem Unfall (schon das Wort zu schreiben fällt mir schwer) habe ich jede Nacht geträumt und wusste nach dem Aufwachen auch was. Seither sind die Nächte leer. An einen kurzen Fetzen kann ich mich erinnern sonst nichts. Leere. Schwärze.
Ob auch das eine Art Schutzfunktion ist?
Update: Kaum hatte ich das vor ein paar Tagen notiert. Kamen die Träume und die Erinnerung an diese zurück. Nun sind die Nächte und Träume voll von Dir. Wenn es auch schön ist Dich um Traum zu umarmen, mit Dir zu reden und Dich wieder küssen zu können so erbärmlich ist das Aufwachen.
Ich habe geträumt, dass mein Leben jetzt ein Traum ist. Ich habe Dich umarmt es Dir erzählt und Du musstest mir versprechen immer auf Dich auf zu passen. Du hast mich fest gedrückt und hast gesagt: „Das mache ich.“

Flashbacks

Es kommt vor das Bilder aufblitzen ähnlich einem Film wenn Erinnerungen eine Schauspielers eingeblendet werden.

Gerade hatte ich mein Handy auf das Bett geworfen, auf einmal hatte ich Dich vor Augen. Du hast immer Dein iPhone aufs Bett geworfen bevor Du am Abend ins Bad gegangen bist.

Von jetzt auf gleich habe ich gesehen wie Du an dem Tag Dein Haus verlassen hast. Du hast Dein Rad raus geschoben, Deinen Hunden ein Rinderohr gegeben. Das Garmin gestartet und bis losgefahren…. Nur diesmal war ich nicht dabei.

Ich gehe mit Maci die Treppen runter und sehe Dich in Deinen kurzen Hosen und dem Hoodie zur Tür reinkommen.

Sehe Dich Abends auf der Couch liegen.

Immer wieder ploppen solche kurzen Augenblicke vor mir auf. Manchmal sind sie tröstlich, manchmal treffen sie mich wie ein Schlag.

Zeitrechnung

Für mich besteht die Zeitrechnung nur noch aus davor und danach.
Ich sehe Bilder bei Facebook, Instagram, in meinem Handy oder sehe eine Mail das wird alles in vorher und danach eingeteilt. Immer wieder geht mir durch den Kopf heute vor x Wochen oder Monaten…
Jeden Dienstag Morgen sehe ich uns gemeinsam Dein Rennrad aus meinem Auto holen. Du tauchst gut gelaunt neben mir auf, strahlst mich an und sagst: „Ich liebe Dich!“
Jeden Donnerstag Mittag sehe ich mich im Büro am Schreibtisch mit Dir telefonieren. Höre unser Gespräch über Deine Geburtstagswünsche nochmal.
Da habe ich das letzte Mal Deine Stimme hören dürfen.

 

Der Schmerz verändert sich. In sieben Jahren waren wir nicht länger als eine Woche getrennt. Jetzt wächst die Sehnsucht von Tag zu Tag zu Tag.

 

 

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2 Comments

  • Meine Liebe,
    ein toller Text, auch wenn er natürlich eine so so schlimme Grundlage hat. Ich habe letztes Jahr im Februar nach 10 Monaten Hirntumor-Erkrankung meinen Papa verloren und – ich möchte das auf keinen Fall vergleichen- aber kann so viele Punkte nachempfinden.

    Die Träume die so real und wahr scheinen und dann das traurige Erwachen. Die Davor und Danach-Gedanken (bei mir ist es immer „vor der Diagnose/nach der Diagnose“). Ich bewudere wie du damit umgehst.

    Ich wünsche dir einfach alles, alles Liebe!

    • Liebe Steph,
      auf meinem Weg erfahre ich wie viele traurige und schmerzhafte Schicksale es gibt. Es gibt mir das Gefühl nicht allein zu sein und das Wissen, dass da draußen so viele Menschen sind die mich verstehen können.

      Liebe Grüße
      Heike

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