Challenge Roth 2019 – Sprachlos

Der erste Marathon? Der Hammer.

Der Berlin Marahon? Ein Traum.

Der Two Oceans? Eine unfassbar tolle Erfahrung.

Challenge Roth? Mir fehlen die Worte.

Ich gebe wirklich mein Bestes Dich in den nächsten Minuten mit auf meine Reise zu nehmen. Meine Reise durch die erste Langdistanz.

Wassertest

Samstag. Mein Handy ist 05:30 Uhr putzmunter. Ich noch nicht. Dennoch freue ich mich aufs Aufstehen. Es geht zum Testschwimmen im Kanal. Der morgigen Wettkampfstrecke.

Scheinbar haben viele Athleten einen frechen Wecker. Der Schwimmeinstieg wimmelt vor Gestalten im Neoprenanzug. Dank der schwarzen, wärmenden Pelle finde ich es nicht unangenehm um 06:30 Uhr schwimmen zu gehen. Im Gegenteil. Das Wasser fühlt sich gut an. Die Menschen hier sind voller Vorfreude und mein Testkilometer läuft super. Perfekter Tagesstart!

Wieder in trockenen Sachen lasse ich den Blick nochmal über das Wasser schweifen. Morgen bin ich wieder hier. Dann stehen 3,8km an. Soweit schwimmen wie noch nie.

Startunterlagen

Meine ersten Schritte auf dem Veranstaltungsgelände. Ich fühle mich wie ein Kind auf dem Rummel. Überall Stände, strahlende Menschen und rosa Frauen.

Rosa Frauen? In wenigen Minuten startet der Challenge Women Run. Die Laufshirts leuchten im kräftigen pink. Manche Mädels sehen fokussiert aus, anderen sieht man den reinen Spaß an. Go Ladys und habt Spaß.

Während die pinke Schaar auf der Strecke ist zieht es mich ins Zelt zu den Startunterlagen.

Supporter: „Haben Sie Ihren Chip dabei?“

Ich: „Äh, natürlich nicht.“

Den Zeitmesschip habe ich wohlbehütet daheim gelassen, so kommt er wenigstens nicht weg…. Eben einen gemietet und schon geht’s mit dem schweren Startbeutel raus.

Am Ausgang sehe ich sie schon. Sie strahlt mich an. Ich strahle zurück. Morgen sehen wir uns Baby und Du wirst mir um den Hals fallen. Es ist die Finisher Medaille. Eine Schönheit!

Nun habe ich ganz offiziell die Startnummer in der Hand. Es wird real! Meine erste Langdistanz startet in weniger als 24h. Freude oder Panik? Ich weiß es noch nicht.

Das Kind kommt wieder in mir durch und ich falle über den Starterbeutel her. Beim Ironman ist dieser Übersichtlich: ein Umschlag mit Startnummern. Punkt.

Hier fördere ich einiges zu Tage. Eine Mini Blackroll mit Challenge Logo. Aahhh, wie toll. Ein Basecap. Eine Dose Redbull. …… Und ein Bleistift mit passendem Spitzer. Über sowas freue ich mich. Wäre ein Block dabei gewesen hätte ich wahrscheinlich angefangen  zu zeichnen.

Bis morgen Baby

Die Challenge Messe ist riesig. Ich befürchte hier etwas Zeit zu brauchen um auch in Ruhe mit mir diskutieren zu können ob ich das drölftausendste T-Shirt brauche. Daher fahre ich kurzentschlossen jetzt schon zum Bike-Check-In.

Triathleten sind meist etwas komisch mit ihren Rädern. Ich natürlich auch. So fällt es mir immer schwer meine kleine Flitzpiepe allein zurück zu lassen. Allein mit einigen hundert Artgenossen. Was da wohl Nachts los ist?

Egal. Auf dem Parkplatz bereite ich alles vor. Die Startnummern ans Bike und auf den Helm. Die Tüte für den Wechsel vom Rad aufs Laufen vorbereiten.

Beim Check-In wird kurz alles auf seine Richtigkeit geprüft. Dann stehe ich im Wechselgarten. Kurze orientieren. Schon mal den Weg einprägen. Nach dem Schwimmen wäre es von Vorteil nicht sooo lange über den Platz zu hirschen und mein Canyon zu suchen.

Pffff. Pfffffffff. Pffffffffffffffft. Pft. Pft. Das Geräusch von aufgedrehten Ventilen ist überall. Es ist kurz nach Mittag und richtig heiß. Die Luft wird von den Reifen gelassen um zu vermeiden, dass die Schläuche platzen. Pft. Pffft. Pfffffft.

Mein Schnutzi ist eingeparkt. Der Helm leistet ihm Gesellschaft. Die Reifen sind auf Hitze vorbereitet. Also geht’s weiter. Die Abgabe des Laufbeutels. Ich drücke den blauen Sack einem Helfer in die Hand. Da fliegt er schon auf den LKW. Schei….beinhonig! Noch bevor der Beutel in der blauen Menge aufschlägt überkommt es mich siedend heiß. DAS VERDAMMTE GEL!

Meine gut vorgeplante Laufverpflegung liegt noch im Auto und summt gemütlich vor sich hin. Geil ist anders. Blöder wäre es erst morgen beim Laufen festzustellen. Nun muss es auf dem Rad eben dabei sein.

Die Jackenfalle

Schließt kurz die Augen. Moment. Macht keinen Sinn könnt ihr ja nicht mehr lesen. Also stellt euch vor: ihr steht auf einer Wiese, genau in der Mitte. Ihr dreht euch um 360°. Das war die Messe beim Ironman 70.3 im Kraichgau.

Hier in Roth sieht das etwas anders aus. Erinnert mich eher an die Marathon Messe in Berlin oder Kapstadt. Gefährlich!

Ich komme genau zwei Stände weit. Aber das brauchte ich! Ehrlich! Aktiv Hautmilch von aktiv3. Ist wie eine Mischung aus Dove und Pferdesalbe. Morgen Abend werde ich das frische Gefühl lieben. Und die Wundersalbe wird mir natürlich ermöglichen Montagmorgen pfeifend aus dem Bett zu hüpfen…

Eine Jacke, ein paar Schuhe und einige Proteinriegel später habe ich fertig. Alles gesehen. Dinge gekauft die ich nicht brauchte. Aber schön sind sie. Eine Jacke mehr im Kleiderschrank. Habe ja erst 47. Und das 11. Paar Laufschuhe. Naja man gönnt ja den Füßen gern etwas Abwechslung. Aber ohne Mist. Die sind geil, oder? ODER?

Zum Glück steht das Athleten Briefing an bevor ich noch etwas dringend brauche…

Der Abend davor

Ich bin… Ja so richtig weiß ich das gar nicht. Vorfreude? Aufregung? Relaxt? Müde? Wahrscheinlich ein Mix aus allem.

Beim Abendessen sind wir alle zusammen. Ich freue mich so sehr, hier mit so geilen Menschen am Tisch zu sitzen. Menschen die mir die letzten 12 Monate erleichtert haben. Menschen die mich auf dem Weg nach Roth unterstützt haben. Menschen ohne die ich jetzt nicht hier wäre.

Ich könnte nicht dankbarer sein!

Es wird gemümmelt, geredet und gelacht. Schade das die Zeit so schnell vergeht. Das könnte ich noch eine Weile aushalten. Müdigkeit macht sich breit. Der Wecker wird morgen um 03:30 Uhr fröhlich den neuen Tag begrüßen. Zeit fürs Bett. Als wenn man wirklich schlafen könnte. 😉

Raceday!

03:23 Uhr. Ich bin wach. Putzmunter. Unter uns höre ich die Küche wie sie für die Athleten das Frühstück zaubert.

Wie ich mich fühle? In nicht mal 4h bin ich auf meiner ersten Langdistanz unterwegs. Ich fühle mich großartig!

Beim Essen bin ich eigen. Also schwebe ich mit meiner eigenen Schüssel und Verpflegung in den Frühstücksraum.

Unterwegs treffe ich einen anderen Athleten:

Er: „Was hast Du für ein Ziel heute?“

Ich: „Ist meine erste Langdistanz. Wenn eine 12 vorne steht bin ich zufrieden. Und Du?“

Er: „Ich gehe die sub 10 an.“

Ich: „Oh machst Du schon länger.“

Er: „Ist meine Zweite.“

Leck mich am Ar…..m. Ich wünsche ihm viel Erfolg und schnelle Beine. Fauler Sack will nur nicht so lange arbeiten. 😀

Im Wechselgarten

Wie man ein Luftpumpengeräusch schreibt weiß ich nicht. Doch man hört es überall. Hat man eine Luftpumpe in der Hand ist man gerade sehr gefragt. Mein Coach und die Jungs aus der Staffel tauchen an meinem Rad auf. Großartig! Viel schöner als hier allein zu sein.

Das Rad ist ready. Das Gel fürs Laufen am Bike verstaut. Der Beutel für den Wechsel vom Schwimmen auf das Rad abgegeben. Nochmal schaue ich mir den Laufweg an. Hinter dem ersten Baum links. Nach der zweiten Mülltonne rechts. Das sollte ich finden.

Spontan entschließt sich der Himmel seine Schleusen zu öffnen. Nass werden möchte man vorher nicht. Es sind um die 16 Grad und noch über eine Stunde Zeit. Dementsprechend kuschelig und gesellig wird es unter den wenigen Bäumen. Mein Coach und die Staffler immer noch bei mir. Die Zeit rennt. Die Vorfreude steigt. Die Nervosität auch. Ich laufe heute einen Marathon. Jedoch wasche ich mich erst 3,8km lang und wärme mich dann auf der 180km Radstrecke auf. Verrückt!

Unter dem Baum treffe ich Sammysfrauchen. Im richtigen Leben hört sie auf den Namen Carina. Wir kennen und von Instagram. Finde es schön sie hier persönlich kennen zulernen.

Es wird Zeit! Ein paar wohltuende Umarmungen und mit den Worten meines Trainers im Ohr gehe ich mit Carina zum Schwimmstart.

Keine fünf Minuten mehr. Quatschend schieben wir uns immer weiter Richtung Wasser voran. Ein kurzer Blick. Die Brücken sind voller Menschen. Die Ufer sind voller Menschen. Der Wahnsinn!

Der Moderator schickt eine Startwelle nach der anderen in den Kanal. Helfer stehen am Rad und klatschen mit uns Athleten ab. Mir schießen die Tränen in die Augen. Carina auch. Kurz liegen wir uns in den Armen. Dann geht es los. Die Reise auf meine erste Langdistanz. 226km wollen erlebt werden.

Der Kanal ist voll

Meine Startwelle schwimmt zur Startlinie im Wasser. Ich gebe mir Mühe nicht weiter zu heulen. Keiner will Wasser in der Schwimmbrille! Da fange ich langsam an zu Grinsen. Auch nicht so dolle im Wasser. Gar nicht so einfach mit den Emotionen hier!

PENG! Es geht los. Fokussiert gehe ich meinen Schwimmablauf durch. 1-1, 1-2, 1-3, 1-4, 1-5, gucken, 1-1, 1-2, 1-3, 1-4, 1-5, 1-6, gucken. Im Training habe ich mir einen Rhythmus angewöhnt. So halte ich meine Geschwindigkeit unter Kontrolle. Das Zählen hilft mir meinen Kopf nicht abschweifen zu lassen.

Das Rennen hat für mich acht Abschnitte. Ich befinde mich auf dem Ersten. Der Teil bis zu Wendeboje vergeht echt zügig. Es wird immer mal etwas rau im Wasser doch ich bin die Ruhe in Person. Das Freiwassertraining der letzten fünf Wochen zahlt aus.

Der Rückweg nach 1,9km. Das ist nun schon Abschnitt zwei. Ich fühle wie sich langsam die Badekappe vom Kopf löst. Will die sich echt aus dem Staub machen? Ich überlege ob ich sie einfach ziehen lasse. Aber mit einer Challenge Roth Badekappe im Freibad macht auch was her… Ein Griff und ich rette das Teil vor der Einsamkeit. Kurzerhand stopfe ich es in meinen Neo. Nun habe ich etwas 2 Liter Wasser im Neo und eine Badekappe. Trägt nicht zur Geschwindigkeitserhöhung bei. Dafür klatschen mir die Haare vor die Augen und der Blick in die Ferne ist dahin. Gut das ich nicht allein schwimme so sind genug Füße zur Orientierung vor mir.

Der erste Wechsel geht flux. Neo aus. Helm auf. Schuhe an. Gel rein. Helfer packt mir die Tasche und los. Erster Baum links, zweite Mülltonne rechts. Hallo Hase! Lass uns spielen gehen. <3

Ich höre meinen Namen. Sehe vereinzelt bekannte Gesichter. Es ist geil. Es macht Spaß!

Radparty

Auf der Radstrecke wird mein breites Grinsen noch breiter. Hab Spaß haben sie gesagt. Ich hatte es im Vorfeld angezweifelt. Doch nun liege ich hier im Wind und haben Spaß. Verdammte Scheiße und wie!

So richtig weit komme ich nicht. An der zweiten Verpflegunsstation entdecke ich ein blaues Häuschen. Wie ich mich freue. Als ich vom Rad hüpfe sind schon Helfer da und nehmen mein Arbeitspony in Empfang. Ich habe wohl mehr vom Kanal mitgenommen als mir lieb ist. Deutlicher leichter und entspannter eile ich wieder zum Rad. Schon mal einen nassen Strampelanzug angezogen?  Herausfordernd! Doch auch hier waren sofort ein paar helfende Hände welche mich zurück in den Trisuit stopften. Weiter geht’s!

Ich liebe das Geräusch der Reifen auf dem Asphalt. Das monotone surren des Freilaufs. Des Freilaufs? Bei mir hört man das Geräusch nicht. Entweder es geht bergauf oder es gibt eine Party bergab. An welcher Stelle da ein Freilauf Zeit hat ist mir ein Rätsel. 

Wieder wird die Radparty jäh unterbrochen. Mein Magen krampft sich schmerzhaft zusammen. Die Aeroposition tut einfach nur weg. Sehnsüchtig halte ich Ausschau nach einem stillen Örtchen. Wieder nimmt mir ein Helfer mein Radl ab. Diesmal kann ich mich allein anziehen. Der Anzug ist trocken.

Dieses Spiel spiele ich bis km 140. Der Magen ist nun endlich leer. Meine Verpflegung habe ich weiter genommen. Ich bin mir zu 100% sicher, dass es nicht an ihr liegt. Dennoch steige ich kurzerhand um. Für die letzten 40km werden mir Bananen über die Strecke helfen.

Doch es gab nicht nur Dixiebesichtigungen auf der Radstrecke. Es gab Regen. Ordentlich Gegenwind. Einen einsamen vor sich hin tanzenden Supporter auf einem einsamen Feldweg. Dörfer und Ortschaften auf dem Weg, welche uns Athleten durch die Straßen schrien.

Und es gab den Solarer Berg. Leute egal wie bildhaft ich es beschreibe, egal wie lebhaft ihr es euch vorstellt. Es wird nicht annähernd an das Erlebnis kommen wie es ist als Athlet durch diese Menschenmasse zu fahren.

Ich versuche es:

Nur noch eine Kurve. Dann ist er da. Das Hightlight. Der Berg von dem ich so viele Videos gesehen habe. Der Berg den ich vor Wochen im Berufsverkehr mit zig Autos im Nacken nach oben gestrampelt bin. Der Moment auf den ich mich so gefreut habe.

Nach der Kurve sehe ich einen Trichter. Menschenmassen links und rechts. Der Trichter endet in einer Gasse. Eine Gasse durch die kein Kinderwagen passen würde.

Schon beim Schreiben schießen mir wieder die Tränen in die Augen, die Gänsehaut ist wieder da und die Mundwinkel ziehen sich langsam zu den Ohren.

Ich tauche ein. Ich genieße. Ich grinse und lache. Ich sauge jede Sekunde, jeden Meter auf. Die Menschen schreien uns den Berg hoch. Sie trommeln mir ihren Klatschtstangen auf mir herum. Sie jubeln. Sie feiern uns. Für wenige Sekunden am Solarer Berg fühlt man sich wie der Nabel der Welt. Allein für diesen Augenblick hat sich alles gelohnt!

Es ist für mich ein Magic Moment. Ein Moment den man sein Leben lang nicht mehr vergisst.

Mit diesem irren Gefühl in den Knochen entdecke ich einige Kilometer später bekannte Gesichter am Rand. Mein Trainer. Meine Mam. Freunde auf beiden Seiten. Es ist geil hier! Hab ich das schon erwähnt?

Jede Party geht einmal zu Ende. Ich hatte einen Wunsch für die Challenge Roth. Den Radsplit unter 6 Stunden. Mein Garmin hat die Entleerungspausen nicht aufgezeichnet und sagt mir: Du hättest es geschafft! Inoffiziell bin ich damit sehr glücklich.

Nur noch ein Marathönchen

In der zweiten Wechselzone gebe ich meinen treuen Begleiter in liebevolle Supporterhände. Schnappe mir eben noch mein Gel fürs Laufen und steuere auf die Beutel zu. Ein süßer Dreikäsehoch ruft uns zu: „Dreht die Startnummern nach vorn, dann können wir euch helfen.“ Noch bevor die Startnummer richtig auf meiner Front prangt. Steht eine junge Dame vor mir. Mit meinem Beutel! Vermutlich haben die Supporter hier alle ein Seminar in Hellsehen belegt. Beherzt schnappt sie mich am Arm und geleitet mich ins Wechselzelt.

Kennt ihr noch die Miniplayback Show mit der Zauberkugel? So ähnlich läuft das hier. Bevor ich begreife was geschieht stehe ich mit Sonnenbrille und Laufschuhen vor dem Ausgang. Und mir wird fröhlich nach geflöhtet: „Jetzt nur noch ein Marathönchen.“ Habe ich mir die Schuhe selbst angezogen?

Auf dem Weg zur Laufstrecke schnappe ich mir noch ein Stück Banane. Fröhlich kauend passiere ich erneut meine treue Supporterbande. Mein Trainer strahlt. Verstehe ich. Ich strahle ja auch. Wer hätte gedacht, dass ich mich nach dem planschen und der Fahrradtour aufs Laufen freuen würde.

Die Beine fühlen sich super an. Jetzt heißt es schnell den Rhythmus finden. Nach nicht mal einem Kilometer habe ich die Beine im Griff. Danke für die vielen Koppeleinheiten Coach Andi!

Ihr erinnert euch an die acht Abschnitte in die ich das Rennen für mich unterteilt habe? Schwimmen waren zwei und Rad waren zwei. Nun laufe ich vier mal 10km und den Rest sehe ich als Zielgerade. 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1, 10, 9……. so vergehen die Kilometer. Mein Anspruch für den Marathon: nicht gehen!

Die Strecke führt schnurgerade am Kanal entlang. Mich persönlich stört sowas überhaupt nicht. Ich kann da prima in einen Tunnel eintauchen. Was mich stört ist der Gegenwind. Immer wieder suche ich mir Läufer die etwa meine Pace rennen und verstecke mich hinter ihnen. Ja, ich bin faul. Na und! Meine Taktik geht auf. Ab der nächsten Wendeschleife gibt es Rückenwind und ich laufe wieder allein weiter. Die armen Schweine die mir gerade entgegen kommen!

Immer wieder gibt es Spots wo Zuschaue sitzen und anfeuern. „Ich bin nur hier, weil ich Dich laufen sehen wollte.“ Der junge Bursche bringt mich zum lachen und lacht dann gleich mit.

So vergeht Kilometer für Kilometer. Ich laufe und laufe. An den Verpflegungsstellen steige ich auf zügigen Walkingschritt um. Wasser. Gel. Wasser. Und go!

Mein Magen ist komplett ruhig. Um die acht Gels mache ich auf dem Marathon weg. Nix. Magen ruhig. Die Umstellung auf Natur war goldrichtig. Versorge mich mit Aerobee. Ein Honiggel. Nie wieder etwas anderes!

Ab km 30 geht der Spaß erst richtig los. Es wird hügelig! Ein Vereinskamerad läuft locker flockig bergan an mir vorbei. „Genieß es!“ ruft er. „Leck mich am… „ entfleucht es mir. Sorry Danny! Bergauf bei Kilometer 30 ist der Spaßfaktor doch ein klein wenig gesunken.

Etwas später wieder bekannte Gesichter. Einer meiner Supporter läuft kurz mit. Erzählt mir was mich noch erwartet und wie gut es für mich läuft. Das gibt Kraft!

Noch ein paar Meter später. Der Mamarazzie an der Strecke.

Die letzten 12 Kilometer sind dann genauso wie erwartet. Es tut weh und ich muss etwas beißen. Doch ich gehe nicht. Nein. Ich laufe das Ding durch!

800 Meter. 700 Meter. 600 Meter. Ich zähle. Die Meter ziehen sich. Dann sehe ich Ihn. Den Einlauf in das Stadion. Als ich den Torbogen passiere tut nix mehr weh. Mein Coach Andreas ruft mir über beide Ohren strahlend Glückwünsche zu. Mein Mam grinst im Kreis. Ich grinse im Kreis. Ich lasse mich feiern. Ist das geil. Von den Tribünen werde ich bejubelt. Zwei Ecken weiter das nächsten bekannte Gesicht. Ich bestehe ich diesen Sekunden aus 100% purem Glück.

Als ich über die Ziellinie laufe bin ich glücklich und abartig stolz. Das Geilste was ich bis jetzt erleben durfte!

Ich sehe Dich vor mir. Sehe wie stolz Du zu mir schaust mein Engel. Sehe wie Du Dein Versprechen einlöst: Du kniest nieder und verneigst Dich. Die Challenge Roth bin ich nicht für Dich gelaufen, ich bin sie mit Dir gelaufen. <3 #jst4uSven

Ein dickes Danke

Danke an meinen tollen Coach Andreas Wind. Ohne Dich hätte ich die Medaille jetzt nicht um den Hals.

Danke an meine Eltern. Ohne euch wären die Trainingsumfänge mit meinen drei Hunden nicht möglich gewesen.

Danke an die Supporter, besser Freunde, aus dem Fuerte Trainingslager. Ohne euch hätte ich den Startplatz nicht. Ohne euch wäre das vergangene Jahr noch schwerer gewesen. Ohne euch hätte ich weniger gelacht. Ohne euch wäre das hier nicht so eine geile Nummer geworden.

Danke an Aerobee. Ohne euren geilen Support hätte ich nicht gewusst wieviel Gel in die Radflasche passt. 😊

Danke an die unzähligen Mitfieberer und gedrückten Daumen an dem großen Tag von daheim. Ihr seid großartig!

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8 Comments

  • Tolle Leistung! Der Bericht ist voll emotional und mir kamen die Tränen beim Lesen. „Was für eine tolle Frau“ schwirrte es in meinen Gadanken. Ich verneige mich und sage herzlichen Glückwunsch!

  • Ganz toll geschrieben 👍 du hattest einen super Tag, das kann jeder spüren 😏 und ich ziehe meinen Hut vor Deiner Leistung! Im übrigen glaube ich, das diese Magen/Darm Probleme vom Kanalwasser kommen. Selbst meine Pferdemagen hatte sich ein wenig beschwert in der ersten Radrunde.

  • Was für ein toller Bericht! Ich habe jedes einzelne Wort genossen! Das geht unter die Haut. Das ist Roth! Ich freue mich sehr, dass du so ein fantastisches Erlebnis in Roth hattest. Genauso muss doch die erste Langdistanz sein! Du bist eine Wahnsinns-Frau! Ein tolles Vorbild! Ich hoffe wir treffen uns bald mal. Im Kraichgau haben wir uns leider verpasst.

    • Was für tolle Worte. Ganz lieben Dank dafür!
      War genau richtig in Roth die erste LD anzugehen. Wird schwer für die Zweite. 😉
      Ich halte die Augen offen wann wir das nächste Mal am gleichen Ort sind.

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