44. Berlin Marathon 2017 – Stolz bleibt!

So sehen Sieger aus. :)

Mit Berlin haben wir nun unseren zweiten Marathon finishen dürfen, den ersten Marathon der sechs Abbott World Majors abgehakt und die Quali für den Two Oceans Ultra 2018 in Kapstadt erlaufen.

Der Marathon lief für mich so gar nicht wie geplant. Warum ich dennoch
überglücklich die Ziellinie überquerte und auf die schwache Zeit
von 4:21h stolz bin, lest ihr in den folgenden Zeilen.

6:30 – Sonntag g, 24.9.17

Lautstark und unerbittlich verkündet der Wecker das Ende der Nacht.
Schlaftrunken tapse ich nach der Schlummertaste. Nur noch fünf Minuten!

Piep, piep, piep…. Wir ergeben uns dem lauten Geschrei und springen fröhlich
aus dem Bett. Nun gut, wir sind nicht gesprungen. Naja und fröhlich
waren wir an der Stelle auch noch nicht.

Das Frühstück steht an. Um diese Zeit gleicht es eher Zwangsernährung. Der Cliff Bar wurde immer mehr und mehr. Doch so ein bisschen Energie muss schon sein vor unserem Abenteuer.
Nach dem genussvollen Tagesstart steht die Verkleidung als Läufer an. Diesmal mache ich alles anders. Eine andere Laufhose darf mich begleiten und auch
die Laufschuhe haben sich erst vor einer Woche qualifiziert. Die Hosen haben eingearbeitet Taschen, was mir den Laufgürtel erspart. Die Schuhe werden mich hoffentlich vor den Knieschmerzen nach dem Lauf bewahren. Hier vertraue ich auf die Beratung des Leipziger Laufladens.

Da ich bei der Registrierung des Laufs, in einem Anfall von abendlicher
Geistesabwesenheit, statt der Gepäckaufgabe einen Poncho nach dem
Lauf ausgewählt hatte. Sind wir gestern noch eben bei H&M shoppen gewesen. Zwei Pullis haben wir ergattert, welche uns bis zum Start vor der morgendliche Frische und wenn ich so aus dem Fenster sehe auch der Nässe, bewahren werden.

8:15 – Und auf geht’s!

Vor dem Hotel eilt irgendwie alles in Laufklamotten Richtung U-Bahn. Wir sind recht nah am Geschehen und müssen nur zwei Haltestellen fahren. Angekommen am Brandenburger Tor leert sich die U-Bahn mit einem Mal. Unzählige Laufschuhe sind auf dem Weg in den Startbereich.

Ein beliebtes Fotomotiv auf dem Weg in den Startbereich.

Es folgt das übliche Prozedere. Orientieren, Treffpunkt nach dem Lauf ausmachen, Ewigkeiten in der Dixie-Schlange stehen… Gegen 9:33 beziehen wir endlich unseren Platz Startblock G und warten darauf hinter den Profis herzujagen. Die zu diesem Zeitpunkt schon etwa bei Kilometer sechs sind.

9:35 – 43 km durch die Hauptstadt

Langsam schieben sich die Massen über die Startlinie. Mit abgespeckten zwei Zeitzielen im Gepäck setze ich mich in Bewegung. Optimal wäre eine Sub4, OK wäre eine Sub Hamburg. In normaler Sprache: 3:59:xx oder 4:06:0x.
Die Ziellinie liegt hinter uns und wir laufen die ersten Meter. Sven zieht direkt davon. Alles Gute!
Auf meinem Weg Richtung Siegessäule kämpfe ich gegen den erhöhten Luftwiderstand durch meine Gänsehaut. Ganz tolle Stimmung an der Strecke und die Kulisse tut ihr Übriges.
Ich beschließe kurzer Hand fang das Fähnchen zu spielen und hänge mich an den vier Stunden Pacemaker. Den muss ich ja nur kurz vor der Ziellinie hinter mir lassen und schwupp unter vier Stunden. Ganz einfach also.

Die Kilometer fliegen ganz unspektakulär dahin. Bei Kilometer 15 merke ich das erste Mal, dass es nicht mehr ganz so easy rollt. Aktuelle Durchschnittspace 5:32.

11:34 – Die Halbmarathon Marke

Unglaublich wie schnell die Kilometer verfliegen. Doch auf einmal ist alles anders. Es fällt mir schwer die Pace zu halten, bei jedem Schritt merke ich meine Oberschenkelmuskeln sehr deutlich. Waren das schon immer so viele?

Ich beginne ein neues Spiel und nenne es: „Einsammeln“. In der Menge vor mir suche ich einen Läufer aus den ich als nächstes überholen werde. So kämpfe ich mich weiter voran. Doch leider nur noch einen Kilometer. Der Ofen ist aus. Jeder Schritt tut weh. Kein die-Muskeln-sind-müde Schmerz, mehr ein da-stecken-Messer-in-den-Beinen Ding. Meine Pace fällt ins bodenlose. Dreck!

Ich bin enttäuscht, versuche zu beißen und zu kämpfen doch es nützt nix. Die Sub 4 lasse ich also ziehen. Auch wenn es sich in der Vorbereitung angekündigt hatte, bin ich enttäuscht. Ein paar Kilometer später muss ich einsehen, dass auch die 5:48er Pace für meine Hamburger Zeit nicht mehr drin ist.

Eine kleine innere Unterhaltung flammt auf. Ein Teil in mir hat so richtig die Nase voll und der andere Teil sagt: „Es ist doch egal wie schnell Du läufst. Du läufst 42,195km, das macht nicht jeder. Genieße die großartige Stimmung und die Strecke. Genieße es, dass Du hier und jetzt dabei sein darfst.“
Stimmt ja. Also versuche ich in den Genussmodus zu schalten. Ist jetzt mit den Oberschenkeln nicht soooo einfach.

11:46 – „Genießen“

An der nächsten Verpflegungsstation gönne ich mir einen ordentlichen Becher kaltes Wasser. Herrlich sage ich euch!

Während ich nun Meter für Meter vor mich hin laufe. Fange ich an die Eindrücke an der Strecke wahrzunehmen.
Die kleinen Kinderhände die abgeklatscht werden wollen – was ich besser lasse, da ich meiner Feinmotorik nicht mehr traue. Ich will ja keinen Zwerg von den Beinen reißen.

Die lustigen Super-Mario Pilze mit: „Tap here for Extra-Power“ lasse ich nicht aus. Für ein paar Sekunden geht es dann wieder richtig gut. Verstehe jetzt wie der Pixel Klempner so unermüdlich durch die vielen Level flitzen konnte.

Die Menschen hier sind so großartig! Der Support von den Seiten trägt einen Kilometer für Kilometer dem Ziel entgegen. Danke euch von Herzen!

Ab Kilometer 32 beginnt der Countdown…10…9…8…
Als dann endlich das Brandenburger Tor in Sichtweite ist, verschwimmt für mich kurz die Welt.
Es ist überwältigend!

Ich laufe mit hoch erhobenen Haupt und voller stolz durch das Tor und kurz darauf über Ziellinie.
Die letzten Meter taten nicht mehr weh die waren einfach nur Endlaser!

Auch wenn ich keines meiner gesteckten Zeile erreichen konnte bin ich nun glücklich und zufrieden.
Marathon ist also mehr als nur Bestzeit!

17:30 – Berlin danach

Die Hotellobby ist voller strahlenden Gesichter. Die Fortbewegung hier gleicht ein wenig einem Zombiewalk.

Wir brechen mit knurrenden Mägen zum wohlverdienten Abendessen auf. Die Straßen sind bevölkert von Finishershirts, Eventjacken und Medaillen. Man, lächelt sich an und nickt sich respektvoll zu.
Unser Sport verbindet uns alle, ganz egal ob man drei oder sechs Stunden läuft, ob man aus China, Mexiko oder Deutschland kommt.

Wir unterscheiden uns nur an den Laufschuhen. Danke Berlin! Wir kommen wieder.

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