35. Leipziger Triathlon – Allein

Nur wenige Kurven zwingen ein aus der Aeroposition.
Nur fliegen ist schöner.

Keine Zeit

Wir waren dieses Jahr bereits auf so vielen Sportevents und habe ich davon geschrieben? Natürlich nicht, spärliche drei Blogposts habe ich zu Stande bekommen. Warum? Immer das Gleiche: keine Zeit.

Echt nicht? Sven hat immer gesagt: „Es ist immer eine Frage der Priorisierung, die Zeit findet man, wenn es wichtig genug ist.“ Stimmt!

Mal eine Serienfolge weniger schauen, mal Facebook oder Instagram zulassen. Lücken gibt es sicher genug, wenn man will. Es war mir einfach nicht wichtig genug, man hat ja genug (Lbens) Zeit. Nein, hat man nicht!

Ergo setze ich nun die Prioritäten besser und lasse die Soziale Welt oder Prime Video mal allein. Ich versuche alle Events bestmöglich aufzuarbeiten. Warum?

Erinnerungen! Einfach weil ich es nicht vergessen möchte und weil er sich immer total gefreut hat, wenn er seinen Namen „Schatz“ hier lesen konnte. Mit etwas Glück habt auch ihr Spaß daran.

Und direkt wird es in die Tat umgesetzt, keine Erinnerung sondern aktuell. Lest vom 35. Leipziger Triathlon.

Die Startunterlage

Die Startunterlagen abholen sehe ich als erste Herausforderung. Schließlich geht es nicht nur um meine sondern um unsere. Schatzi’s Unterlagen einfach liegen lassen bekomme ich nicht über das Herz.

So stehe ich mit Pippi in den Augen am frühen Samstag Nachmittag im Roten Haus am Kulkwitzer See und sammle unsere Startbeutel für den 35. Leipziger Triathlon ein:

  • 2017: 2 Menschen, 1 Startbeutel
  • 2018: 1 Mensch, 2 Startbeutel

Das Leben kann ein Arschloch sein, oder?

Mir wird angeboten den Startplatz weiterzugeben, da es einige gibt die auf der Suche sind. Nur kurz hadere ich. Was hätte Sven gewollt? Er war Sportler und damit ist die Sache klar. Ein andere soll die Chance bekommen diesen Triathlon zu bestreiten.

Ich wähle also eine der Telefonnummern die ausliegen. Thomas meldet sich, er steht noch direkt vorm Meldebüro. Wir finden zusammen und gehen die Formalitäten an. Auf dem Weg zur Orga erfährt er die Geschichte hinter dem Startplatz. Als einer der Helfer anbietet den Namen auf der Startnummer zu überkleben fragt Thomas mich ob es ok ist, wenn er mit Sven seinem Namen startet. Gänsehaut, ich kämpfe mit den Tränen. Ja natürlich, dass hätte ihn so gefreut. Genau das ist einer der Gründe warum wir… ich Sportler bin, die Menschen sind in Sportsachen andere als in Jeans. Thomas und ich nehmen uns vor am nächsten Tag nochmal zu sehen.

Raceday – der Morgen

Der Start des Leipziger Triathlon ist erst 11:10Uhr daher klingelt der Wecker nicht allzu zeitig. Bis auf den Neo ist alles schon verpackt. Mir bleibt also nur noch das Frühstücken übrig. Sonst gab es vor Wettkämpfen, so wie eigentlich täglich, immer Oatmeal mit Obst. Heute breche ich mit der Tradition und esse Waffeln! Ja, im Moment ist die Ernährung nicht 100%, des Öfteren nutze ich stimmungsaufhellende Süßigkeiten.

Gegen neun habe ich Fahrrad, Tasche und meine Mum im Auto verstaut. Wie sonst auch bei Wettkämpfen in der Nähe ist sie mit der Kamera an Board.

Gegen halb zehn treffen wir am Kulkwitzer See ein. Wir haben also noch eine Menge Zeit und können etwas trödeln. Vor dem Check In treffe ich auf eine Freundin, die extra kurz vorbei gekommen ist. Nach einem kleinen Plausch wird es für mich ernst: der Check In. Allein.

Der Wechselgarten

Startnummern Sven und Heike
Das letzte Mal hängen unsere Startnummern nebeneinander.

Es kam wie es kommen musste. Das Vorbereiten des Wechselplatzes geht nur mit Tränen in den Augen. Dennoch versuche ich konzentriert alles abzuarbeiten. Noch vor sieben Wochen, standen wie lachend nebeneinander. Haben und gegenseitig Tipps gegeben und auf ein geiles Rennen gefreut. Jetzt ist es ein ganz anderes Leben.

Neben meinem Fahrrad, steht bereits das Bike von Thomas. Sven seine Startnummer hängt über dem Lenker. Die Welt verschwimmt ein weiteres Mal vor meinen Augen. Es ist jetzt das letzte Mal, dass unsere Namen so nebeneinander stehen.

Der Start und das Schwimmen

Draußen muss ich mich erstmal sammeln. Die traurigen Gedanken verbannen und mir vor Augen rufen, dass Sven ja da ist. Ich kann ihn eben nur nicht sehen. Ja, ich bin mir sicher, dass er mir in verschiedenen Situationen beisteht und einen Triathlon lässt er sich sicher nicht entgehen.

Ich sage euch nichts lenkt besser ab als einen Neoprenanzug anzuziehen und man ist direkt auf Betriebstemperatur. Heute wird mein erster Start und das erste Schwimmen im Neo sein. Nach dem Kauf waren wir einmal mit dem Neo am See und sind keine 200m gekommen bevor ein Gewitter losgebrochen ist. Da hat das Anziehen länger gedauert als die Bewegung…

Ein paar Minuten schwimme ich mich ein und schaue mir die Schwimmstrecke an. So richtig Plan habe ich gerade noch nicht, aber irgendeine Hausaufgabe muss man ja vergessen. Also nehme ich mir vor am Start jemanden zu fragen.

Pünktlich 11:10Uhr fällt der Startschuss. Natürlich habe ich niemanden gefragt. Einfach keine Lust auf Kommunikation. Von der Startlinie aus kann man sich alles ganz gut zusammenreimen und da ich sicher nicht vorne weg schwimme sollte es nicht das Problem sein.

Der Start erscheint mir heute rauer als sonst, ich denke aber ich bin nur etwas sensibler die Tage. Eine ganze Weile brauche ich um rein zukommen. Geschätzt bin ich jetzt etwa tausend Meter im Wasser als wirklich Ruhe reinkommt und ich mich im Rhythmus fühle. Die Gedanken sind noch recht laut und gehen in alle Richtungen. Von altbekannter Angst im Freiwasser bis zu wie schön wäre es wenn Sven hinter mir wäre und kann der Arsch nicht mal Platz machen ist alles dabei.

Neoprenanzug nach dem Schwimmen öffnen.
Raus aus dem Neo nach dem Schwimmausstieg.

 

Ich sehe den Schwimmausstieg vor mir, jetzt heißt es ein wenig konzentrieren. Neo ausziehen habe ich vorher nie geübt und die Uhr muss ich dazu abbinden. Die Fenix ist wunderschön aber eben auch groß. Den gesamten Wechsel gehe ich in Gedanken schnell durch.

Nach 1550m in 32:06 raus aus dem Wasser. Uhr abdrücken. Uhr abbinden. Neo auf und bis zu den Hüften aus. Uhr wieder dran. Badekappe und Brille ab. Zack am Bike. Neo ausstrampeln. Helm auf. Startnummer dran. Gedöns auf einen Haufen werfen. Bike raus und ab die Post.

Der Bikesplit

Die Aeropostion muss kaum verlassen werden.
Beim Radteil des Leipziger Triathlons.

Beim Himmelswegelauf hatte ich zu meinem Schatz gesagt: „Beim Leipzig Triathlon möchte ich im Radteil unter den Top 3 meiner AK sein.“ Sven fand das einen coolen Plan.

Für die Radstrecke habe ich jede Menge Emotionen die ich loswerden möchte. Trauer, Angst und Frust wandle ich in Wut und Vortrieb um.

Die Runde gilt es vier mal zu absolvieren. Auf Runde zwei bleibe ich dann auch in den meisten Kurven in der Aeroposition. Kette rechts wie man so schön sagt. Das Rad fahren ist eindeutig meine Lieblingsdisziplin. Diesmal bin ich nicht so vorsichtig wie beim neuseenMAN und lege ein paar Watt mehr auf die Pedale. Scheiß drauf, wenn es beim Laufen dann nicht mehr reicht. So trete ich auch mal ein paar Minuten 200 Watt und mehr weil überholen einfach die Laune hebt.

Die 42,5km lasse ich in 1:13:15 hinter mir. Bis auf die zu engen Socken läuft auch der zweite Wechsel reibungslos. Im Handumdrehen stecke ich meinen Altra’s und laufe los…

Das Laufen

Die Zielgerade des Leipziger Triathlons.
Beim Zieleinlauf des Leipziger Triathlons.

Kaum zu glauben, da ich ja durch das Laufen beim Triathlon gelandet bin. Ist die letzte Disziplin für mich die Schwerste. Auf der Laufstrecke muss ich mental immer richtig ackern. Heute allerdings beschei… ich. Mit Sven im Nacken läuft es sich ganz gut, ich weiß genau wann er was zu mir gesagt hätte um mir Beine zu machen. So laufen die ersten 5km mit einem 5:20 Schnitt ganz flüssig. Wie immer breche ich bei km 6 & 7 etwas ein um dann wieder schneller zu werden. Man muss ja nicht alle Gewohnheiten aufgeben.

Für viele mag das vielleicht komisch klingen, doch ich weiß, dass er jetzt bei mir ist. Und genau das gibt mir die Kraft die Beine schneller zu bewegen. Nach 50:01 Minuten habe ich auch die letzte Disziplin zufriedenstellend hinter mich gebracht.

Beim Zieleinlauf rollen wieder die Tränen. Keiner mit dem ich Hand in Hand ins Ziel springe und dann glücklich umarmen und küssen darf.

Die zweite OD und der erste Alleingang

Im Finisherbereich läuft mir dann Thomas über den Weg und wir reden noch eine Weile. Genau der Richtige hat Svenis Startnummer getragen. Er ist nicht nur ein fitter Sportler sondern auch ein sehr einfühlsamer Mensch. Ich freue mich sehr ihn hier kennengelernt zu haben. Wir nehmen uns noch vor in Kontakt zu bleiben bevor sich unsere Wege trennen.

Mit 2:39:33h verlasse ich den Schauplatz meiner zweiten olympischen Distanz. Das sind knapp fünf Minuten schneller als beim neuseenMAN und das auf einer längeren Strecke. An der Stelle darf ich mal kurz zufrieden mit mir sein.

Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass es irgendwann man normal sein soll bei Wettkämpfen allein unterwegs zu sein. So sehr in ich gewöhnt meinen Liebsten um mich zu haben, so sehr habe ich die Jahre genossen in denen wir die gleiche verrückte Leidenschaft ausgelebt haben.

Schatz, wo immer Du bist, halte Dich fit. In Zell am See brauche ich Dich wieder an meiner Seite! <3

 

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